Identitätsdiebstahl: Hilfe für Opfer

Tina Groll wurde 2009 Opfer von Identitätsdiebstahl, lt. Wikipedia:

(auch Identitätsbetrug, Identitätsmissbrauch. Identitätsmissbrauch; engl. identity theft) […] die missbräuchliche Nutzung personenbezogener Daten (der Identität) einer natürlichen Person durch Dritte.

Aktuelles:
Gemeinsam mit dem Interpol-Cyberkriminalitätsexperten Cem Karakaya schreibt Tina Groll derzeit ein Buch zum Thema „Digitale Gefahren“, das 2018 im Heyne-Verlag erscheinen wird. Folgen Sie uns auch auf Twitter unter twitter.com/datendiebstahl & twitter.com/identitaetsklau

Die Berliner Journalistin (-> ausführliche Vita hier) erfuhr am eigenen Leib, was es bedeutet, wenn Kriminelle sich der Identität bemächtigen und darunter Straftaten verüben. Die Polizei suchte Tina Groll, es gab Einträge ins Schuldnerregister, Inkassounternehmen fahndeten nach ihr – alles das passierte, während die Journalistin ihr ganz normales Leben als Redakteurin bei ZEIT ONLINE in Berlin lebte. Bis zum heutigen Tag bestimmen falsche Daten ihr Leben fremd.

Diese Seite richtet sich an Opfer von Identitätsdiebstahl, Identitätsmissbrauch und sonstigen Datendiebstahl. Sie sollen auf dieser Website eine erste Orientierung und Hilfe bekommen. Interessierte finden Tipps, wie man sich vor Identitätsdiebstahl schützen kann. Journalisten finden hier zudem eine wichtige Recherchequelle.

Diese Seite soll Opfern einen wichtigen Überblick bieten und Mut machen. Sie erfahren, was Sie jetzt tun sollten, um zum einen gegen die falschen Forderungen vorzugehen und sich zu schützen und zum anderen womit Sie langfristig rechnen müssen. Außerdem möchte ich mit dieser Seite Interessierten Tipps zum Schutz vor Identitätsmissbrauch geben. Journalisten und Datenschützer dürfen diese Site gerne als Recherchequelle nutzen. Ich bitte aber darum, die Quelle transparent anzugeben und freue mich über Verlinkung. Betroffene, Interessierte und Journalisten können sich gerne an mich wenden und nach weitergehenden Tipps fragen.

Neben dem privaten Identitätsmissbrauch hat sich mittlerweile ein neues Phänomen herausgebildet. Bei einer sogenannten Fake-President-Attacke geben sich Betrüger in der Regel für den Vorstand eines Unternehmens aus und täuschen Mitarbeiter, die Zahlungsverkehrsberechtigungen besitzen oder Stammdaten in der Finanzbuchhaltung ändern können, so sehr, dass Transaktionen in Millionenhöhe ausgelöst werden. In der Regel werden die betroffenen Beschäftigten dabei massiv unter Druck gesetzt. Ähnlich funktionieren auch sogenannte Payment-Diversion-Fälle, bei denen häufig mehrere Tausend bis Hunderttausend Euro erbeutet werden. Auch hierbei handelt es sich in der Regel um den Missbrauch von Identitäten.

Tina Groll hält außerdem Vorträge zum Thema Identitätsdiebstahl und ist im Fernsehen ein gefragter Gast. Anfragen an die Journalistin können Sie hier richten sowie auf dem von den Cybercrime-Experten Cem Karakaya und Tom Weinert betriebenen Seite Blackstone432.

Transparenz: Diese Website steht in keinem Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als Redakteurin bei ZEIT ONLINE oder meinem beruflichen ehrenamtlichen Engagement etwa beim Deutschen Presserat oder bei der dju in ver.di.

Ich habe Angst, den Briefkasten zu öffnen.

Seit Jahren.

Wenn ich abends nach Hause komme, gehe ich sofort zum Briefkasten. Wenn ich länger in den Urlaub fahre, werde ich schon Tage vor der Heimreise nervös beim Gedanken, den Briefkasten nach meiner Rückkehr öffnen zu müssen. Ist es dann so weit, pocht mein Herz laut, meine Hände schwitzen. Ich hoffe, dass ich da nichts Schlimmes drin finden werde.

Nein, ich bin nicht verrückt. Ich leide auch nicht unter einer seltenen Phobie.

Ich wurde im Jahr 2009 Opfer eines Identitätsdiebstahls. Monate lang flatterten mir beinahe täglich Mahnungen und Drohschreiben von Inkassounternehmen ins Haus. Bis heute bestimmen falsche Daten mein Leben immer wieder fremd.

„Weil Sie auf die vorbenannten Forderungen noch immer nicht reagiert haben, leiten wir jetzt das Mahnverfahren ein“, stand beispielsweise in den Schreiben. Schulden sollte ich gemacht und Waren bezogen haben von Unternehmen, deren Namen ich noch nie gehört hatte. Die Sachen wurden an Adressen geliefert, die nie die meinen waren. Dort sollte es sogar Menschen gegeben haben, die – so stand es in einem Schreiben einer Inkassofirma – „zweifellos bezeugen können, dass Sie, Tina Groll, dort gewohnt haben.“

Sogar Haftbefehle lagen gegen mich vor. Monate lang suchte die Polizei in anderen Städten nach mir, es gab Einträge ins Schuldnerverzeichnis, ich wurde sogar in Abwesenheit verurteilt. Alles das passierte, während ich nichts ahnend mein normales Leben als Journalistin in Berlin lebte.

Ich arbeite als Redakteurin bei ZEIT ONLINE. Entsprechend konnte ich für Berichterstattung über meinen Fall und das Phänomen an sich sorgen. Seit 2010 betreibe ich unter dieser Domain eine Website, die Betroffenen die wichtigsten Antworten auf ihre Fragen geben soll.

Identitätsdiebstahl und Identitätsmissbrauch sind zu einem Massenphänomen geworden. Studien zufolge soll schon jeder dritte bis fünfte Deutsche Opfer geworden sein. Einer Untersuchung der Unternehmensberatung PWC aus dem Jahr 2016 zufolge entsteht den Opfern dabei im Schnitt ein Schaden von 1.366 Euro. Am gängisten ist demnach Warenkreditbetrug.

Jedoch: Ob es tatsächlich schon so viele Betroffene gibt, lässt sich allenfalls empirisch mit Umfragen feststellen. Aber verlässliche Studien fehlen. Niemand weiß, wie viele Identitäten in Deutschland, in der EU oder weltweit schon gestohlen worden sind.

In der Regel nutzen Kriminelle bei einem Identitätsdiebstahl den Namen, das Geburtsdatum und andere personenbezogenen Daten eines Fremden, um damit Straftaten zu begehen. Viele Daten finden sich mittlerweile über fast jeden im Internet. Wenn man dann noch einen Hinweis auf den Beruf des Opfers hat, ist es  beispielsweise ganz einfach, sich dessen Bonität für Warenkreditbetrug zu bemächtigen. Oder unter dessen Identität einen Shop zu eröffnen. Oder in dessen Namen Kinderpornos zu erwerben. Oder rechtsextremistische Propaganda zu verbreiten. Oder, oder, oder. Fatal ist aber nicht nur die Straftat an sich sondern vor allem dass die falschen Daten mit den realen Daten des Opfers über Auskunfteien, datenverarbeitende Unternehmen, Behörden oder Institutionen zusammengebracht und weiter verteilt werden. Das ist der eigentliche Albtraum für das  Opfer. Und hier entsteht der langfristige Schaden.

Hinweis: Im November 2016 fand die Internationale Konferenz gegen Identitätsdiebstahl in München statt, bei der auch Tina Groll einen Vortrag hielt. Mehr Infos gibt es in einem TV-Beitrag des Bayerischen Rundfunks. Ende November war der Fall von Tina Groll auch in der ZDF-Sendung TerraXpress zu sehen.

Nachdem ich mehrere Jahre lang das Thema gerne vergessen wollte, habe ich mich mittlerweile dazu entschieden, auch weiterhin als Opfer von Identitätsdiebstahl in der Öffentlichkeit aufzutreten. Wir brauchen dringend einen besseren Datenschutz, der Opfer von Datenmissbrauch stärker schützt. Daher halte ich auch Vorträge zum Thema Identitätsdiebstahl. Eine Anfrage stellen Sie gerne unter mail-ett-tina-groll.de.

Foto: Jan-Timo Schaube

Foto: Jan-Timo Schaube

Bitte beachten Sie, dass sich die Daten- und Rechtslage zum Thema ständig ändert. Ich übernehme keine Gewähr für  die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der hier zusammengestellten Inhalte, auch wenn diese mit größter Sorgfalt zusammengestellt wurden. Um sich juristisch beraten zu lassen, sollten Opfer von Identitätsmissbrauch sich unbedingt an einen Anwalt oder eine vergleichbare Beratungsstelle wenden. Die Verbraucherschutzzentralen und der Landesdatenschutz sind ebenso wie seit Neuestem auch die Schufa gute Ansprechpartner. Seit September 2016 kann man sich als Opfer auch in eine Datenbank bei der Schufa eintragen lassen – das verhindert einen weiteren Missbrauch. (Behindert die Opfer allerdings selbst bei wirtschaftlicher Teilhabe. Online-Shopping und anderes wird auf diese Weise etwas komplizierter. Dennoch für die Akut-Phase eine gute Hilfe.)

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