Identitätsdiebstahl: Hilfe für Opfer

Tina Groll wurde 2009 Opfer von Identitätsdiebstahl, lt. Wikipedia:

(auch Identitätsbetrug, Identitätsmissbrauch. Identitätsmissbrauch; engl. identity theft) […] die missbräuchliche Nutzung personenbezogener Daten (der Identität) einer natürlichen Person durch Dritte.

Die Berliner Journalistin (-> ausführliche Vita hier) erfuhr am eigenen Leib, was es bedeutet, wenn Kriminelle sich der Identität bemächtigen und darunter Straftaten verüben. Die Polizei suchte Tina Groll, es gab Einträge ins Schuldnerregister, Inkassounternehmen fahndeten nach ihr – alles das passierte, während die Journalistin ihr ganz normales Leben als Redakteurin bei ZEIT ONLINE in Berlin lebte. Bis zum heutigen Tag bestimmen falsche Daten ihr Leben fremd.

Ich habe Angst, den Briefkasten zu öffnen.

Seit Jahren.

Wenn ich abends nach Hause komme, gehe ich sofort zum Briefkasten. Wenn ich länger in den Urlaub fahre, werde ich schon Tage vor der Heimreise nervös beim Gedanken, den Briefkasten nach meiner Rückkehr öffnen zu müssen. Ist es dann so weit, pocht mein Herz laut, meine Hände schwitzen. Ich hoffe, dass ich da nichts Schlimmes drin finden werde.

Nein, ich bin nicht verrückt. Ich leide auch nicht unter einer seltenen Phobie.

Ich wurde im Jahr 2009 Opfer eines Identitätsdiebstahls. Monate lang flatterten mir beinahe täglich Mahnungen und Drohschreiben von Inkassounternehmen ins Haus. Bis heute bestimmen falsche Daten mein Leben immer wieder fremd.

Diese Seite richtet sich an Opfer von Identitätsdiebstahl, Identitätsmissbrauch und sonstigen Datendiebstahl. Sie sollen auf dieser Website eine erste Orientierung und Hilfe bekommen. Interessierte finden Tipps, wie man sich vor Identitätsdiebstahl schützen kann. Journalisten finden hier zudem eine wichtige Recherchequelle.„Weil Sie auf die vorbenannten Forderungen noch immer nicht reagiert haben, leiten wir jetzt das Mahnverfahren ein“, stand beispielsweise in den Schreiben. Schulden sollte ich gemacht und Waren bezogen haben von Unternehmen, deren Namen ich noch nie gehört hatte. Die Sachen wurden an Adressen geliefert, die nie die meinen waren. Dort sollte es sogar Menschen gegeben haben, die – so stand es in einem Schreiben einer Inkassofirma – „zweifellos bezeugen können, dass Sie, Tina Groll, dort gewohnt haben.“

Sogar Haftbefehle lagen gegen mich vor. Monate lang suchte die Polizei in anderen Städten nach mir, es gab Einträge ins Schuldnerverzeichnis, ich wurde sogar in Abwesenheit verurteilt. Alles das passierte, während ich nichts ahnend mein normales Leben als Journalistin in Berlin lebte.

Ich arbeite als Redakteurin bei ZEIT ONLINE. Entsprechend konnte ich für Berichterstattung über meinen Fall und das Phänomen an sich sorgen. Seit 2010 betreibe ich unter dieser Domain eine Website, die Betroffenen die wichtigsten Antworten auf ihre Fragen geben soll.

Identitätsdiebstahl und Identitätsmissbrauch sind zu einem Massenphänomen geworden. Studien zufolge soll schon jeder dritte bis fünfte Deutsche Opfer geworden sein. Einer Untersuchung der Unternehmensberatung PWC aus dem Jahr 2016 zufolge entsteht den Opfern dabei im Schnitt ein Schaden von 1.366 Euro. Am häufigsten werden geklaute Identitäten demnach für Warenkreditbetrug genutzt. Aber auch Mobbing, Stalking, Rufmord sind verbreitet. Immer häufiger sind auch Unternehmen betroffen: Mit einem sogenannten CEO-Fraud werden Firmen ausgeplündert, Beschäftigte, die an entscheidenden Schnittstellen arbeiten, erpresst. Aber auch auf Politikerinnen und Politiker, Journalistinnen und Journalisten haben es die Kriminellen immer häufiger abgesehen. Und Terroristen verschaffen sich unter fremden Identitäten nicht nur Reisefreiheit…

DIECYBERPROFIS - KopieNeues Buch: „Die Cyber-Profis: Lassen Sie Ihre Identität nicht unbeaufsichtigt.“ Ihr Handy? In Minuten geknackt. Name, Anschrift oder Geburtsdatum eingegeben? Mehr braucht es heutzutage nicht für einen Identitätsklau. Wie erschreckend leicht es Kriminelle im Netz haben, das decken Cem Karakaya, langjähriger Interpol-Mitarbeiter und Präventionsexperte der Münchner Polizei, und Tina Groll, Journalistin und selbst Betroffene von Identitätsmissbrauch, auf: Gestohlene Daten, die für Betrug, Stalking, Mobbing oder Kinderpornographie missbraucht werden; Haushalts- und Gebrauchsgegenstände, die ganze Bewegungs- und Persönlichkeitsprofile über uns erstellen; Verträge, die unter fremden Identitäten abgeschlossen werden. Unglaubliche Geschichten, eindrückliche Berichte, erschreckende Fakten – wer mit diesen Cyber-Profis die digitalen Abgründe erkundet hat, wird so leicht keinem Betrüger ins Netz gehen. Mit leicht umsetzbaren Tipps, wie wir uns vor Datenmissbrauch schützen und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen man als Betroffener ergreifen sollte. Erschienen 2018 im Ariston-Verlag. Folgen Sie uns auch auf Twitter unter twitter.com/datendiebstahl & twitter.com/identitaetsklau.

Der Schaden ist oft zunächst kaum zu überblicken: In der Regel nutzen Kriminelle bei einem Identitätsdiebstahl den Namen, das Geburtsdatum und andere personenbezogenen Daten eines Fremden, um damit Straftaten zu begehen. Viele Daten finden sich mittlerweile über fast jeden im Internet. Wenn man dann noch einen Hinweis auf den Beruf des Opfers hat, ist es  beispielsweise ganz einfach, sich beispielsweise dessen Bonität für Warenkreditbetrug zu bemächtigen. Oder in dessen Namen Kinderpornos zu erwerben. Oder rechtsextremistische Propaganda zu verbreiten. Oder, oder, oder. Fatal ist aber nicht nur die Straftat an sich sondern vor allem dass die falschen Daten mit den realen Daten des Opfers über Auskunfteien, datenverarbeitende Unternehmen, Behörden oder Institutionen zusammengebracht und weiter verteilt werden. Das ist der eigentliche Albtraum für das  Opfer. Durch Biga Data geraten echte Daten und toxische Daten zusammen – mit Folgen, die bis über das Lebensende der realen Person hinausgehen können.

Diese Seite soll Opfern einen wichtigen Überblick bieten und Mut machen. Sie erfahren, was Sie jetzt tun sollten, um zum einen gegen die falschen Forderungen vorzugehen und sich zu schützen und zum anderen womit Sie langfristig rechnen müssen. Außerdem möchte ich mit dieser Seite Interessierten Tipps zum Schutz vor Identitätsmissbrauch geben. Journalisten und Datenschützer dürfen diese Site gerne als Recherchequelle nutzen. Ich bitte aber darum, die Quelle transparent anzugeben und freue mich über Verlinkung. Betroffene, Interessierte und Journalisten können sich gerne an mich wenden und nach weitergehenden Tipps fragen.

Ich halte außerdem Vorträge zum Thema Identitätsdiebstahl, Cybersecurity und Internetkriminalität. Gemeinsam mit dem Anwalt Dr. Marc Maisch, Datenschutzexperte der Kanzlei MAISCH MANGOLD SCHWARTZ aus München, biete ich ein exklusives Vortrags- und Trainingskonzept speziell für Unternehmen an. Das Vortragskonzept senden wir Interessierten auf Anfrage gerne zu! Anfragen an mich können Sie hier richten sowie über die Beratung für Cybersecurity, Blackstone432.

Fernseh-Auftritte: Tina Groll ist am am 5. November 2019 in der SWR-Sendung „Vorsicht Verbrechen“ zu sehen. Vergangene Beiträge: Im Mai 2018 in der Sendung „Akte“ bei Sat1,  am 5. März 2019 fand die Buchvorstellung von „Die Cyber-Profis: Lassen Sie Ihre Identität nicht unbeaufsichtigt“ mit Tina Groll im Rahmen der Veranstaltungsreihe „young+restless“ im Telefonica Basecamp, Berlin statt. Weitere Beiträge waren im Mai 2018 in der Sendung „Akte“ bei Sat1, sowie im Februar 2018 im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Im November 2016 fand die Internationale Konferenz gegen Identitätsdiebstahl in München statt, bei der auch Tina Groll einen Vortrag hielt. Mehr Infos gibt es in einem TV-Beitrag des Bayerischen Rundfunks. Ende November 2016 war der Fall von Tina Groll auch in der ZDF-Sendung TerraXpress zu sehen.
Foto: Jan-Timo Schaube

Foto: Jan-Timo Schaube

Bitte beachten Sie, dass sich die Daten- und Rechtslage zum Thema ständig ändert. Ich übernehme keine Gewähr für  die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der hier zusammengestellten Inhalte, auch wenn diese mit größter Sorgfalt zusammengestellt wurden. Um sich juristisch beraten zu lassen, sollten Opfer von Identitätsmissbrauch sich unbedingt an einen Anwalt oder eine vergleichbare Beratungsstelle wenden. Die Verbraucherschutzzentralen und der Landesdatenschutz sind ebenso wie seit Neuestem auch die Schufa gute Ansprechpartner. Seit September 2016 kann man sich als Opfer auch in eine Datenbank bei der Schufa eintragen lassen – das verhindert einen weiteren Missbrauch. (Behindert die Opfer allerdings selbst bei wirtschaftlicher Teilhabe. Online-Shopping und anderes wird auf diese Weise etwas komplizierter. Dennoch für die Akut-Phase eine gute Hilfe.)

Artikel zum Thema und weitere wichtige Info-Seiten:

Das Buch „Betrug in der digitalisierten Welt: Erkennen. Vorbeugen. Schützen.“ ist im FAZ-Verlag erschienen, Herausgeber ist Dr. Michael Freytag, Vorstandsvorsitzender der SCHUFA, Tina Groll und Cem Karakaya haben in einem Kapital an dem Buch mitgewirkt. Vor dem Hintergrund der Digitalisierung befassen sich die Expertenbeiträge mit unterschiedlichen Formen des digitalen Betrugs und den weitrechenden Auswirkungen auf Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Die Autorinnen und Autoren zeigen gleichzeitig Möglichkeiten auf, Menschen und Institutionen im digitalen Umfeld wirksamer zu schützen. Groll und Karakaya schreiben in dem Buch über Identitätsdiebstahl.